Unter dem Motto „Bezwinge das Ungetüm“ fand am 13.6.2026 das Trailrunevent am Weissensee in Techendorf, eine kürzere Variante des Originals (Karnisches Ungetüm, 75km, 5.200Hm) über den karnischen Höhenweg, statt. 50Km und rund 3.400Hm waren rund um den schönsten See Kärntens zu bewältigen.
Im Voraus stellten wir den richtigen Mindset ein: „Die erste Hälfte eine schöne Bergtour, dann geht es auf ca. 15km (das sind so etwa nur 10 Meilen) über 2 Hügeln um die Wurst, und dann nur mehr 10km locker auslaufen!“
Nach der Tagwache um 3.30 Uhr und einer Wetterüberraschung – statt blitzblauem Himmel - bewölkt, kühl und leichtes Nieseln, starteten ich und Markus um 6 Uhr mit weiteren 162 potenziellen Ungetümen (von max. Teilnehmerzahl 175 doch ein Paar DNS) von der Bergbahn Talstation in Techendorf. Nach den ersten flotten 1,5km ging es dann schon gleich mit einem rund 12km und 1.300Hm langen Anstieg bis zum höchsten Punkt des Trails, zur Eckwand auf 2.221m easy zur Sache. Das schlechtere Wetter erwies sich als großer Vorteil, v.a. in späteren Abschnitten, da wir dadurch perfekte Lauf-Temperaturen hatten, die Sonne kämpfte sich dann irgendwann aber doch durch.
Weiter ging es mit vollem Fokus - denn steil, wurzelig, verblockt - auf weit kürzerer Distanz hinunter zum Ostufer (2. Labe nach fast 20km). Ca. Hälfte hinter uns, gestärkt, mit neuen Gels ausgestattet, und weit unserem Zeitplan voraus, konnten wir die nächsten ca. 3km gut pacen. Dann kam der 1. „Hügel“ - die Laka. Also steil ist nicht gleich steil! Zuerst kommt steil – das ist noch recht gemütlich, die Steigerung ist dann extrem steil – da ist es mit Gemütlichkeit schon langsam vorbei. Es gibt aber noch weitere Stufe – mega extrem steil – das ist, wenn man schon fast nach hinten umkippt und Gefühl hat, man bräuchte ein Seil. So ging es 1.000Hm hinauf, die Hälfte davon mega extrem steil! Und dann kann man oben nicht mal glücklich sein, denn das Gleiche geht’s hinunter, was vielleicht noch blöder ist!
Mit schon etwas wehen Füßen erreichten wir die 3. Labe auf der Hermagorer Bodenalm. Keine Verschnaufpause, 2. „Hügel“ – die Golz mit rund 800Hm in Sicht. War im Bereich extrem steil und zum Schluss mega extrem steil, was nach rund 34km und mehr als 2.000Hm leicht geht. Beim Aufstieg wollte hier mein Personalassistent und Motivator Markus das Tempo nicht mithalten und so trennten sich unsere Wege. Am Gipfel wurden wir mit wahnsinnigem Ausblick auf das Bergpanorama mit Weissensee belohnt, bevor dann unsere volle Konzentration beim nächsten Downhill wieder gefragt wurde. Markus meinte „steilo ist geilo“, in diesem Sinne ging´s runter - wieder extrem steil, sehr stufig und verblockt und weiter auch noch verwurzelt, also keine Entspannung.
Ab der letzten Labe auf der Kohlröselhütte konnten wir die letzten ca. 8km dann relativ „gemütlich“ laufen, um dann ins Ziel noch die steile Skipiste zu genießen! Aber von oben hörte man schon die Glocken der Ungetümen (Perchten), die dann die Läufer auf den letzten Metern beim Finish begleiteten, da konnte man die letzten Reste der Motivation noch auskratzen. Mein gewagtes Traumziel mit etwa 10 Stunden Laufzeit konnte ich im Ziel außerirdisch unterbieten und finishte auf um ca. 2km kürzeren Strecke wegen Forstarbeiten mit 8:10 Stunden als 5. in Damenwertung und am 39. Platz Gesamtwertung, Markus kam mit knapp 8:35 St. ebenso stark ins Ziel; 46. Platz Männer, 54. Platz gesamt.
Das Weissensee Ungetüm und die Berge bezwangen wir nicht, sondern sie erlaubten uns, dass wir gut und heil die Strecke ins Ziel bringen konnten, und über das freuten wir uns am meisten!